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Das Museum als Auftraggeber des Künstlers

 

Die Kunst gilt als frei. Es erscheint deshalb als paradox, das Museum als den Auftraggeber des Künstlers oder Künstlerin zu bezeichnen. Künstlerinnen und Künstler arbeiten nach eigenen Angaben und nach dem Glauben des Kunstsystems aus eigenem Antrieb. Niemand gibt ihnen Aufträge. Allerdings wollen alle Künstlerinnen und Künstler irgendwann ihre Werke im Museum sehen. Damit ihnen dies gelingen kann, müssen Sie diese so konzipieren, dass sie vom System wahrgenommen und in das Museum gestellt werden. Auch wenn Künstler zunächst ihre Arbeiten unangepasst präsentieren, ist dies nur eine Methode, um vom System und damit vom Museum wahrgenommen zu werden.

Wie auf anderen Märkten auch, bestimmen im Kunstsystem die Kunden wie die Ware auszusehen hat. Das Museum bestimmt, wie Kunst auszusehen hat, die es ins Museum lässt. Bei Kunst als frei gilt, dürfen Künstlerinnen und Künstler sich nicht nach äußeren Bedingungen richten. Deshalb muss diese Anpassungsleistung verborgen werden.

Im Kunstsystem werden die Biografien der Künstlerinnen und Künstler besonders zentral kommuniziert und beobachtet. Damit soll gezeigt werden, dass ihre Werke von ihrer Biografie bestimmt sind. Und damit wird verschleiert, dass der Erfolg eine Anpassungsleistung an das Museum ist.

 

Bei keiner anderen Berufsgruppe wird die Biografie in diesem Maß zur Erklärung der Arbeit herangezogen.

 vgl. Heidenreich, S. (1998). Was verspricht die Kunst?. Berlin: Berlin-Verl.

Franz Billmayer, 20.9.2007