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Banale Bilder werden ignoriert

In beinahe allen aktuellen Veröffentlichungen wird die Relevanz des Kunstunterrichts aus der Zunahme der Bilder erklärt. Das machen die VertreterInnen der Bildkompetenz ebenso wie die eher Kunstorientierten. Das ist sicherlich richtig, denn die Zunahme der Bilder wird von allen Erwachsenen deutlich wahrgenommen. Diese Begründungen stehen in der Einleitung, in den Beispielen finden sich dann vornehmlich Bilder aus dem Bereich der Kunst. Diese spielen in der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit eine verschwindend marginale Rolle. Den Worten folgen keine Beispiele. Offensichtlich ist niemand bereit, diese vielen Bilder so ernst zu nehmen, um dafür Unterrichtskonzepte zu entwickeln. Diese Aussage wird im Gegenteil dafür benutzt, weiterhin das Kunstsystem und den Kunstunterricht zu propagieren.
Der Grund für die Missachtung der alltäglichen Bilder könnte in der Methode liegen, mit der sich die Kunstpädagogik sie behandelt. Die Kunstpädagogik entlehnt die Methoden der Beschäftigung mit den Bildern der Kunstwissenschaft. Manche berufen sich auf Roland Barthes, aber auch der hat einzelne Werbebilder als Einzeltexte untersucht. Das Paradigma ist das gehaltvolle schwerverständliche Bild aus einer Sphäre der senderorientierten Kommunikation, der Kunst. Hier ist der Betrachter dafür verantwortlich, dass er das Werk versteht.
Wer diese Methode auf Bilder anwendet, die für den Medienmarkt produziert werden, wird diese banal finden. Die Bilder sind leicht verständlich und damit nicht wert, sich mit ihnen intensiver zu befassen. Die Katze beißt sich in den Schwanz.
Die Fragen müssten lauten: Warum verstehen wir die Bilder so leicht? Wofür werden sie verwendet? Die Fragen gelten also nicht mehr dem einzelnen Bild sondern den Umständen, den Konstruktionsregeln, den Absichten und Interessen. 
Franz Billmayer 17.10.2007